top of page

Die Entstehung von Narzissmus: eine simple Erklärung

  • Autorenbild: Helena Pfleiderer
    Helena Pfleiderer
  • 9. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Kind spielt Sand

Es gibt viele Theorien und Erklärungsmodelle zur Entstehung von Narzissmus. Die Psychologie, die Medizin und die Medien beschäftigen sich stark mit diesem mittlerweile inflationärem Thema. Die Medizin sieht insbesondere eine genetische Komponente, andererseits jedoch keine direkte Vererbung. Die Psychologie geht eher von einer Beeinflussung durch die Umwelt und insbesondere durch das Elternhaus: wird das Kind übermäßig bewundert, quasi auf „einen Sockel gestellt“ oder genau im Gegenteil, wird es lieblos und durch emotional nicht verfügbare Eltern erzogen, dann wird es zu einem Narzissten. In den Medien rücken diese sog. dysfunktionalen Familienkonstellationen immer mehr ins Zentrum des Interesses.

Doch was wäre, wenn es eine ganz simple Erklärung für die Entstehung von Narzissmus gäbe?

Stellen Sie sich zwei Kleinkinder vor, die im Sandkasten mit Plastikautos spielen. Zunächst ist alles friedlich. Plötzlich stielt das eine Kind das blaue Spielzeugauto des Anderen. Das bestohlene Kind fängt lautstark zu weinen an; die Mütter der beiden Jungs, die etwas abseitsstehen und diskutieren, eilen dorthin. Der bestohlene Junge erklärt, dass der andere ihm das Auto aus der Hand gerissen hätte. Der andere Junge tut ganz unschuldig und spielt weiter als wäre nichts passiert. Seine Mutter konfrontiert ihn mit dem Zwischenfall, aber er behauptet mit fester Stimme, dass das nicht stimmt, das andere Kind hätte sich das nur ausgedacht. Die Mutter des lügenden Kindes zweifelt nicht im Geringsten an der Glaubwürdigkeit ihres Kindes, obwohl dies nicht glaubwürdig erscheint. Warum sollte das andere Kind grundlos weinen? Oder, vielleicht erkennt die Mutter, dass die Geschichte nicht stimmig ist, hat aber kein Interesse – aus welchem Grund auch immer – sich damit auseinanderzusetzen. Sie winkt das freche Verhalten und das Lügen ihres Kindes einfach durch und geht zur Tagesordnung über.

Was lernt ein Kind, welches mit seinem Fehlverhalten nicht konfrontiert wird?

Kinder und insbesondere Kleinkinder sind sehr auf sich und ihr eigenes Ego fokussiert. Erst durch eine gesunde Grenzsetzung und konsequente Erziehung lernen sie, die Grenzen und die Gefühle Anderer zu respektieren, sie werden empathisch. Doch ein Kind, das gelernt hat, dass seine Lügen immer durchgehen, wird natürlich diesen Weg weiterhin gehen, um seine Ziele zu erreichen. Es hat kein Korrektiv, keins „man lügt nicht“ oder „Du verletzt Andere, wenn du sie anlügst“. Es denkt, mir hilft dieses manipulative Verhalten, warum sollte ich das ablegen? Und: die Anderen könnten auch lügen, um ihre Ziele zu erreichen, selber schuld, wenn sie das nicht machen. So entsteht Narzissmus. Der erwachsene Mensch denkt immer noch, dass er sich alles erlauben kann, um seine Ziele zu erreichen, denn er hat nie die Chance gehabt, Empathie zu entwickeln. Gleichzeitig versteckt er sich hinter einem zerbrechlichen kleinen Ego, wie das eines Kleinkindes. Mangelnde bis fehlende Verantwortungsübernahme sowie eine massive Kränkbarkeit sogar bei wohlgemeinter Kritik runden die Hauptmerkmale von narzisstischen Menschen ab.

Wie schließt sich der Kreis?

Ein Kind, das nie zur Verantwortung gezogen wird, wenn er lügt, gaslighting betreibt oder andere Manipulationstechniken benutzt, um seinen Willen durchzusetzen, wird zum Narzissten. Eltern, die das Kind nie zur Verantwortung ziehen, sind entweder solche, die das Kind extrem verwöhnen und auf den Sockel stellen oder solche, die am Kind und seiner Entwicklung desinteressiert sind und sich nicht die Mühe machen wollen, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen und es richtig zu erziehen. Ob es eine genetische Komponente gibt, die Narzissmus begünstigt, lasse ich an dieser Stelle offen.

Wenn Ihnen meine Beiträge gefallen und Sie Interesse haben, mit mir zusammen therapeutisch zu arbeiten, können Sie mich gerne kontaktieren.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page