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Wie die Panikattacken mein Leben beherrschten

  • Autorenbild: Helena Pfleiderer
    Helena Pfleiderer
  • 19. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Frau hat Angst vor Mann mit Kapuze

Annalisa war 32 Jahre alt und ein lebensbejahender Mensch. Sie fühlte sich gesund, war sportlich und aß bewusst. Freitags arbeitete sie im Homeoffice. An einem dieser Freitage wurde es ihr plötzlich fast schwarz vor Augen, die Zeilen am Laptop begannen zu verschwinden. Sie spürte, wie ihr Herz schnell klopfe und sie bekam schlecht Luft. Da ihr Freund Krankenpfleger war, wusste sie, wie man den Puls am Handgelenk misst und welche Werte gut sind. Anfangs konnte sie ihren Puls gar nicht erspüren. Panik ergriff sie und für einen Moment dachte sie, dass ihr Herz aufgehört hatte, zu schlagen. Dann rief sie sich zur Ordnung und probierte es nochmal. Da war er: ein schwacher und schneller Puls von 126 Schlägen pro Minute. Das war nicht gut! Das war viel zu viel!

Durch welche Symptome äußerte sich eine Panikattacke?

Jetzt merkte Annalisa wie ihre Beine – obwohl sie saß – weich wie Pudding wurden und unangenehm kribbelten. Oder wurden sie eher taub? Hatte sie womöglich einen Schlaganfall? Ihr fiel plötzlich ein, dass sie irgendwo gelesen hatte, dass Frauen ab Mitte 30 einen Hirnschlag bekommen könnten, wenn sie die „Pille“ nehmen. Ihr wurde speiübel und sie hatte das Gefühl, sich übergeben zu müssen oder die Toilette aufsuchen zu müssen wegen der Sorge, gleich Durchfall zu bekommen. Ob sie was Schlechtes gegessen hat? Und dann gingen diese Symptome weg und sie fing an zu schwitzen – am ganzen Körper.

Das unaufhörliche Grübeln während einer Panikattacke

Sie spielte mit dem Gedanken, den Notarzt anzurufen, da sie so gut wie sicher war, einen Herzinfarkt zu bekommen. Aber in diesem Alter? Und aus der völligen Gesundheit heraus? Das kann doch nicht sein, grübelte sie. Und dann gleich: „ich mache mich lächerlich, sie werden mich gar nicht ernst nehmen, wenn ich dort anrufe“. Die junge Frau quälte sich durch diese sog. Körpersensationen und konnte nicht aufhören, über alles Mögliche zu grübeln, was alles passieren kann. Sie sah sich vor ihrem geistigen Auge tot in der Wohnung liegen, ihr Freund und ihre Eltern trauerten schon um sie. Oder sollte sie doch die 112 wählen? Bevor es zu spät ist? Und wir sollte sie das Rettungsteam empfangen, sollte sie doch lieber jetzt, wo sie bei Bewusstsein war, frische Klamotten anziehen?

Wie ging es nach der ersten Panikattacke weiter?

Irgendwann – vielleicht waren 4 oder 5 Minuten vergangen, merkte Annalisa, dass es ihr wieder gut ging. Die Symptome waren weg, sie lebte noch und war völlig gesund. Sie war sehr froh darüber und war sich sicher, so etwas Schlimmes NIE wieder erleben zu müssen. Doch da irrte sie sich. Etwa 2 Wochen später suchten sie wieder ähnliche Symptome. Und wieder aus heiterem Himmel, an einem Tag sogar, wo es ihr richtig gut ging, da sie von ihrem Chef ein Extra-Lob erhalten hatte. Als sie in der Kantine war und ihr Mittagessen genießen wollte, ging es wieder los. Annalisa schaffte es gerade noch, den Saal zu verlassen und in die Damentoilette zu flüchten. Sie machte Atemübungen nach Gefühl und zwang sich zur Ruhe. Während sie mit der Panikattacke kämpfte, googelte sie nach Erklärungen für ihren Zustand und erkannte, dass sie an Panikanfällen leidet. Sie fand einen Artikel mit konkreter Anleitung für Atemübungen und probierte diese aus: es half ihr gut.

Obwohl dieser Anfall nach einigen Minuten zu Ende ging, beschlich Annalisa ein ungutes Gefühl, dass sie ab jetzt an einer psychischen Erkrankung leidet. Sie fühlte sich ohnmächtig, dem Schicksaal ausgeliefert. Sie wusste mittlerweile, dass das Gemeine an den Panikattacken ist, dass sie genau dann kommen, wenn man sie am Wenigsten erwartet, d.h. nicht im Anschluss an einer stressigen Situation, einen Streit o.Ä. Und die Panikattacken beherrschten ihren Alltag: aus Angst von Peinlichkeit am Arbeitsplatz, vermied sie es, in die Kantine zu gehen. Auch Autofahren beschränkte sie weitgehend und fuhr nur kurze Strecken. Ins Kino zu gehen oder gar ins Flugzeug zu steigen, wurden für sie undenkbar.

Manchmal geht es ohne Therapie nicht…

Das war der Wendepunkt, an dem Annalisa beschloss, sich professionelle psychotherapeutische Unterstützung zu suchen. Dort lernte sie verhaltenstherapeutisch, wie sie im Hier und Jetzt mit einer Panikattacke umzugehen hat und wie sie in Akzeptanz und Loslassen übt. Nach einer anfänglichen Besserung ihrer Symptomatik stagnierte der Erfolg, was Annalisa entmutigte. Das war der Zeitpunkt, wo man in der Therapie tiefenpsychologisch weitergearbeitet hat und nach den tieferen Ursachen der Panikattacken gesucht hat, was nicht sehr leicht war. Nach einigen Sitzungen erkannte Annalisa, dass ihr Arbeitsplatz sie unter ständiger Anspannung und Stress versetzt, womit sie bislang nicht gut umgehen konnte: das Ergebnis waren die Panikanfälle. Die junge Frau lernte schließlich, auf die Signale ihres Körpers zu achten und diese ernst zu nehmen.

Falls Sie auch an Panikattacken oder andere Angststörungen leiden und Hilfe brauchen, zögern Sie nicht, mich für psychotherapeutische Unterstützung zu kontaktieren. Ich helfe Ihnen gerne!

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